AUSGANGSLAGE
Entweder man durfte es als Kind selbst erleben, oder man kennt die Geschichten von älteren Menschen. Früher liefen die Kinder aus der Nachbarschaft (in der Stadt oder auf dem Land) in ihrer Freizeit zusammen und verbrachten oft den ganzen Tag bis zum Abend miteinander- und zwar ohne die Betreuung durch Erwachsene. Diese Zeit scheint lange vorbei und die tägliche Realität unserer Kinder sieht gänzlich anders aus… mit weitreichenden Folgen.
Heute herrschen zwei Trends die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche vermehrt unter psycho-sozialen Problemen und Erkrankungen leiden. Diese Trends sind lt. Jonathan Haidt [Generation Angst] Überbehütung und soziale Medien.
Bewegungsfreiheit für Kinder
...im Jahr 1925 und 2025 am Beispiel Rutzenmoos (Gemeinde Regau)
Trend 01 - Überbehütung
„Kinder stehen heute praktisch unter Hausarrest. Eine Studie hat ergeben, dass die Zeit die Kinder früher mit freiem Spielen verbracht haben heute überwiegend mit Hausaufgaben, Bildschirmen und dem Einkaufen mit den Eltern verbracht wird.“
[Johann Hari, Abgelenkt, s. 262]
Grund dafür ist einerseits die Dominanz des Auto-Verkehrs im öffentlichen Raum (und die damit einhergehenden Verdrängung kinderfreundlicher Freiräume)- und andererseits eine Abnahme
des gegenseitigen Vertrauens unter den Erwachsenen.
Rein objektiv besteht kein Grund zur Überbehütung, da die KFZ-Unfälle mit Personenschaden seit den 60er Jahren abnehmen. Subjektiv hat sich der öffentliche Raum jedoch zu einem potenziell gefährlichen Ort (mit mehr Autos und höheren Geschwindigkeiten) entwickelt.
Trend 02 - Soziale Medien
Die vermehrte und immer früher einsetzende Nutzung digitaler und „soziale“ Medien führt zu einer zusätzlichen Isolierung der Kinder und Jugendlichen voneinander.
Dieses Defizit an sozialem Austausch führt zu einer signifikanten Zunahme psychischer Erkrankungen.
Freies Spielen
„Durch unbeaufsichtigtes Spielen im Freien lernen Kinder, wie man mit Risiken und Herausforderungen aller Art zurechtkommt. Indem Kinder physische, psychologische und soziale Kompetenz aufbauen, erwerben sie das nötige Selbstvertrauen, um neue Situationen zu bewältigen,…“
[Generation Angst, Jonathan Haidt, 2024 Rowohlt, s. 90]
„Kinder lernen beim freien Spielen Kreativität und Vorstellungskraft - die Kinder lernen über Probleme nachzudenken und diese selbstständig zu lösen. Soziale Bindung - Kinder lernen mit anderen Kindern zu interagieren und Kontakte zu knüpfen. Lebendigkeit - Kinder lernen beim freien Spiele Freude und Vergnügen zu erleben.“
[Johann Hari, Abgelenkt s. 263]
„Wenn wir unsere Kinder wirklich beschützen wollen, sollten wir ihren Eintritt in die virtuelle Welt hinauszögern und sie stattdessen zum Spielen nach draußen schicken, in die wirkliche Welt.“
[Generation Angst, Jonathan Haidt, 2024 Rowohlt, s.90]
Und dieses "Draußen" können wir gemeinsam gestalten!